Sehr verehrte Gemeinde der letzten Raucher,
Militanten Nicht-Rauchern genügt es nicht, daß sich unsere Spezies selbst dezimiert (Lungenkrebs etc.). Sie wollen uns schon vorher zum Nicht-Raucher-Dasein nötigen. In einigen Kneipen und Restaurants darf nicht mehr geraucht werden (welch' Absurdität), viele Angestellte werden zum Rauchen "vor die Tür gesetzt" oder erst gar nicht eingestellt.
Der Verpackung unseres geliebten Genußmittels wurde unlängst ein häßlicher schwarz-weiß Slogan hinzugefügt (z.B. "Rauchen läßt ihre Haut schneller altern"), den wir durchaus mit Humor aufnahmen ("Wer keine Falten hat, hat nichts erlebt", Lucky Strike). Schon bald wird die Schriflichkeit der neuen Visualität weichen. Einen Ausblick gibt uns die audiovisual library der Europäischen Kommission.
Betrachtet man diese Entwicklung der Warnungen, sehen wir Parallelen zur Mediengeschichte - respektive wird uns die Mediengeschichte noch einmal vor Ohren und Augen geführt.
1. Die Phase der oral history. Ärzte und andere Gesundheitsapostel sprachen über die Gesundheitsgefährdung durch Rauchen.
2. Die Phase der Schriftlichkeit. Nach der Erfindung des Buchdruckes mit beweglichen Lettern war es nun auch möglich, schriftliche Warnhinweise auf Zigaretten-Verpackungen aufzudrucken. Nach einer Weile bemerkte man, daß dieser Warnhinweis auch auf Tabaksbeuteln als ästhetische Grausamkeit verbreitet wurde.
3. Die Phase der Illustration. Mit Aufkommen der Rotationsdruckmaschine war es möglich, auch Bilder in einer guten Quälität kostengünstig und massenhaft zu verbreiten. Die schriftliche Warnung wird durch ein Bild ersetzt. Dieses soll dem Konsumenten eine "physische Chockwirkung" zufügen, doch der kunstinteressierte und passionierte Raucher kennt solche Motive schon von den (inzwischen verblichenen) Young British Artists.
Nun gibt es m.E. mehrere Erklärungen für den letzten Paradigmen- oder Medienwechsel:
1. Die Pisa-Studie. Wir deutsche Analfabeten ignorierten die schriftliche Warnung aufgrund der Unfähigkeit den "code" zu entschlüsseln. Siehe auch "Rauchen macht dumm" bei Spiegel-Online.
2. Der Innovationszwang. Der Wirtschaftsstandort Deutschland muß sich als High-Tech Standort präsentieren - das Neueste ist gerade gut genug -, deshalb werden diese "Bildchen" demnächst von kleinen Aufklärungsfilmchen abgelöst (Innerhalb der Zigarettenschachtel läuft ein Mini-Projektor, der einen kurzen Super-8 Film durch die halb-transparente Zigarettenschachtel projiziert.) In weiter Zukunft wird dieser mechanische Filmapparat durch einen Videoplayer ersetzt und in 100 Jahren werden wir interaktiv durch unsere Lungen wandern können, die dann - Dank der fortschreitenden Medizin und Biotechnologie, von irgendeiner verschreibungspflichtigen Arznei gereinigt -, im zarten Rosa pumpt und pumpt und pumpt.
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Herzlichst Ihr
Jean Baton Rouge
Nils DittbrennerFür diejenigen, denen Online-Spiele bisher zu rasant, zu blutrünstig, zu schnell oder zu fordernd waren, gibt es jetzt einen Linktipp zum forwarden: www.banja.com
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