Michel Foucault und die Künste

von Stephanie Bunk, 06.10.02
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Probleme einer Genealogie: Ein Treffen, ZKM Karlsruhe 19.-22.09.2002

Das Treffen stand unter einem traurigen Vorzeichen: dem Tod der Merve-Verlegerin Heidi Paris. Aber auch ein weiterer Toter war ständig präsent: Michel Foucault. Vom "Tod des Autors" war in Karlsruhe nur als Verlust eines Freundes die Rede, und das waren die meisten Teilnehmenden wohl auch: Zeitgenossen, Freunde oder Schüler von Foucault. Dadurch wurde das Treffen, wie von Peter Gente intendiert, zu einem informellen Zusammen-Treffen, einem Fest, einer Feier, in deren Mittelpunkt Michel Foucault stand. Darum wurden die Vorträge auch durch eine Ausstellung, ein Konzert und ein Filmprogramm begleitet, die den Besuchern den Menschen Foucault, seine musikalischen und künstlerischen Vorlieben und sein privates und berufliches Umfeld näher brachten. Aber gerade der persönliche Bezug war es auch, der der ebenfalls anvisierten Problematisierung einer Genealogie der Künste eher im Weg stand. Statt Foucaults Werk zu aktualisieren, trug eine Vielzahl der Vorträge unfreiwillig zu seiner Historisierung bei. So wurde versucht zu zeigen, dass Foucault einzelne Werke aus kunsthistorischer (Thierry de Duve) oder medienwissenschaftlicher Perspektive (Wolfgang Ernst) falsch interpretiert hat, dass die Homosexualität die kreativere Lebensform ist (René de Cecatty) oder dass Foucault Dokumente übersehen hat, die das heterosexuelle Paarungsverhalten in der Antike als vorbildlich hervorheben (Friedrich Kittler).

Überhaupt schien hier Geschlecht noch einen Unterschied zu machen, war doch unter den 18 Vortragenden nur eine Frau. Die Französin Judith Revel ist eine der wenigen Vertreterinnen der neueren Foucault-Rezeption, die mit ihrem Vortrag "Vertikales Denken" einen spannenden Beitrag zu einer "Ethik der Differenz" vorgelegt hat. Thomas Lemke, der auch zur jüngeren Fraktion gehörte, entwickelte den überzeugenden Entwurf einer "Kunst der Kritik", die man bei diesem Treffen leider noch vermissen mußte. Dabei kann Foucault seit langem schon zu den wichtigen Theoretikern gezählt werden, deren Werkzeugkiste heute im Rahmen der Kultur-, Kunst- und Bildwissenschaften zur Analyse aktueller Praktiken und Diskurse angewandt wird. Nur scheinen die Vertreter dieser Positionen eben nicht zu den "Freunden" zu gehören.

 

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