Nils Dittbrenner, 10.06.02
Der u.a. aus Telepolis und Süddeutscher Zeitung bekannte Autor Konrad Lischka lockt im Untertitel seines frisch erschienenen Beitrags zur noch recht spärlich erhältlichen Computerspielliteratur mit "Kultur, Geschichte und Ästhetik des Computerspiels". Irgendwie kreisen auch alle im Buch befindlichen Kapitel um diese 3 Teilbereiche und wenigstens zur Geschichte lässt sich konstatieren: das haut hin. Ausführlich recherchiert, mit einigen netten und neuen Anekdoten rund um das noch relativ neue Kulturfeld Bildschirmspiele; auf jeden Fall für jeden, der zu den Anfängen von Games bisher wenig weiß ein guter Beitrag und Einstieg.
Im weiteren Verlauf des knapp 150 Seiten starken Content-Bereichs werden anderen Themen wie z.B. Plattformgeschichte, Klassifizierungen, Gewalt und Gender teilweise leider nur knapp behandelt, sodass der Leser des öfteren betrübt feststellen muss, dass das Kapitel schon vorbei ist. Auch lässt das ansonsten wirklich empfehlenswerte Buch aufgrund der häufig stark differierenden Themen von aufeinander folgenden Kapiteln an vielen Stellen einen Roten Faden vermissen. So muss zwischen den Kapiteln oft Luft geholt werden, um keine Irritationen aufkommen zu lassen. Andersherum ist dieses auch ein großes Potenzial: mal ehrlich, wann lesen Hardcorezocker denn schon mal - wenn dann portionsweise und die Länge eines mittleren c't-Artikels besser nicht überschreitend...
Viele der im Buch genannten Fakten sind brauchbar und auch gut recherchiert, auf genau diese stützt sich auch ein breiter Bereich der Lesestrecke. Das Literaturverzeichnis ist dementsprechend umfangreich aber auch, gerade der genannten Gründe wegen, eines der bisher besten und stellt als solches immer einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge ins Netz dar.
Beim Lesen stören die manchmal nicht zustande kommenden Querverweise sowie das matte Gefühl, an dieser oder jener Stelle könnte es noch weiter gehen. Auch ein Blick ins Literaturverzeichnis zeigt, dass es weiter hätte gehen können und Lischka damit dem in der Subzeile formulierten Anspruch gerecht geworden wäre. Dieses hätte das Buch sicherlich noch 100 Seiten dicker gemacht. So bleibt Spielplatz Computer nicht das umfassende, eine Ästhetik und Kultur umschreibende Werk, das es hätte werden können. Eher stellt es einen guten, ja vielleicht noch den bisher besten deutschsprachigen Einstieg in das Kulturfeld Computerspiele dar. Es richtet sich damit an alle diejenigen, die schon länger spielen und sich sowohl für die Geschichte von Games allgemein interessieren als auch einen Überblick über die das Phänomen reflektierende Fachbereiche bekommen wollen. Wir freuen uns auf mehr.
Quelle: http://www.glizz.net/artikel/artikel_14.php