Die Sportsfreundin kritisch hinterfragt

von Inga Koehler, 10.06.02
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Die Sportsfreundin, formerly known als Printprodukt Tussi Deluxe, ist seit Mitte Mai online und will "trendorientierte, konsumgeile, markenhörige und oft weibliche" LeserInnen ansprechen. Was an dieser Stelle noch ganz lustig wirkt und auf den ersten Blick als Ironie encodiert werden mag, schlägt bei genauerem Checken der Seite dann doch recht schnell in Unbehagen um... Die Hoffnung auf eine selbstbestimmte, starke, stylische Setzung von Weiblichkeit bleibt an einer gehypten und fein layouteten Version von uralt Stereotypen hängen.

Um auch jaaa nicht mit dem vorurteilsbeladenen, nicht-marktfähigen "Emanzen-Bild" identifiziert zu werden, wird Die Sportsfreundin gleich in den ersten Sätzen der Selbstdarstellung mit "weiblichen Charme, der selbstverständlich auch Männer betört" gleichgesetzt. Auch über die gepflegten Fingernägel der Herausgeberinnen Nicole Bader, Cynthia Blasberg und Katja Vaders erfährt man so einiges... Aus lauter Vorsicht, potenzielle Zielgruppen zu verschrecken, werden nicht nur an dieser Stelle regressive Denkmuster beschworen, anstatt freshe Girlpower zu repräsentieren.

Mit fast beängstigender Offenheit und Widerspruchslosigkeit weist Die Sportsfreundin jedes Bedenken zurück, Subkultur in die bedeutungsneutralisierende Kulturindustriemaschinerie einzuspeisen, oder marktfähige Stereotypen zu reproduzieren: "Wir haben allerdings selbstverständlich [sic!] kein Problem damit, diese [die Subkultur, d. Verf.] für Sie zu kommerzialisieren." Aber mal ganz ehrlich - darf man sich dann noch ernsthaft "grenzüberschreitend" oder "mutig" nennen?

Ein ungutes Gefühl macht sich auch beim Lesen der ankündigenden Headline "Die RAF ist wieder da?" breit. Auf der Seite ist leider noch nichts unter dieser Überschrift zu finden, aber es lässt sich wohl eher eine military-style Fotostrecke als ein politischer Artikel vermuten... na ja, ich lasse mich gerne noch überraschen!

www.sportsfreundin.de

 

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